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"Um 1980 wuchs das Traditionsbewusstsein, gleichzeitig aber auch die Emanzipation der Frauen und der Geist der „alternativen“ Lebensweise. Es wurden zwei neue Schächte gegründet, deren Strukturen stark von den „alten“ Traditionsschächten abwichen und die auch Frauen aufnahmen. Außerdem gingen vermehrt Gesellen beiderlei Geschlechts auf Wanderschaft, ohne einem der Schächte beizutreten. Diese nennen sich Freireisende, um ihre Ungebundenheit gegenüber den Gesellenvereinigungen zu unterstreichen.
Nach der deutschen Wiedervereinigung nutzten auch viele ostdeutsche Gesellen wieder die Möglichkeit, auf die Walz zu gehen. Die wachsende Arbeitslosigkeit, unter der auch die Baubranche litt, belebte den neuen Boom zusätzlich. So machten nicht wenige aus der Not eine Tugend und verließen für mehrere Jahre ihre Heimat.
Hat man sich aber dafür entschieden, sind drei Jahre und ein Tag Wanderschaft als Minimum bei Schächten wie den Rechtschaffenen Fremden, den Rolandsbrüdern, dem Fremden Freiheitsschacht, bei Axt und Kelle oder dem Freien Begegnungsschacht vorgeschrieben. Lediglich bei den Freien Vogtländern Deutschlands wird eine Mindestreisezeit von zwei Jahren und einem Tag genutzt. Es gibt demgegenüber zwar keine Höchstreisezeit, und eine Wanderschaft von fünf Jahren ist keine Seltenheit, sie soll jedoch ein Lebensabschnitt bleiben und nicht zur längerfristigen Lebensweise werden.
Derzeit erlauben nur der Freie Begegnungsschacht, Axt und Kelle sowie die Freireisenden die Erwanderung von Frauen.
Im Jahr 2005 waren zwischen 600 und 800 Gesellen entweder freireisend oder in Schächten organisiert fremdgeschrieben. Der Anteil der Frauen liegt, tendenziell steigend, bei insgesamt etwa 10 Prozent, unterscheidet sich jedoch stark nach dem Gewerk und Schacht. 2010 zählte man in Deutschland noch wenig mehr als 450 Wandergesellen.[1] Es handelt sich jedoch immer um Schätzungen, da es keine verlässliche Form der Zählung gibt, insbesondere bei den Freireisenden.
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