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In Seite Liturgiereform:
"Mit der Neuauflage des kompletten Missale Romanum, das am 26. März 1970 erschien, trat dieses damit an die Stelle der Editio typica von 1962/65. Paul VI. gestattete neben der nur wenig veränderten Fassung des überlieferten Römischen Messkanons, der jetzt als I. Hochgebet gefasst war, drei neue Eucharistische Hochgebete. Das II. Hochgebet folgt dem Konzept der Traditio Apostolica des Hippolyt von Rom (3. Jh.), das IV. Hochgebet ist an eine ostkirchliche Anaphora antiochenischer Tradition angelehnt. Das III. Hochgebet fasst die Gehalte des Römischen Messkanons unter besonderer Berücksichtigung der christozentrischen Ekklesiologie des 2. Vatikanum neu; es wurde durch Cyprian Vagaggini OSB konzipiert. Der Entwurf eines V. Hochgebets mit noch stärkerer Annäherung an die orientalischen Anaphora, speziell der alexandrinischen Basilius-Anaphora, stieß bei der Glaubenskongregation 1967 auf Bedenken und wurde daher zurückgestellt; die drei anderen Entwürfe wurden hingegen gebilligt und amtlich veröffentlicht.
Zur Vermeidung eines „Mischritus“ wurden nur solche neuen Hochgebete approbiert, die dem Geist (ingenium) der römischen Tradition entsprachen.
Der Papst redigierte überdies die Wandlungsworte, indem ihr Text (geringfügig) der biblischen Überlieferung der Einsetzungsberichte angepasst wurde. Sie müssen aber „in jedem Hochgebet gleich“ gesprochen werden. Die neben der jetzigen Verwendung lebendiger Sprachen deutlichste Änderung besteht darin, dass die Worte „Mysterium Fidei“ („Geheimnis des Glaubens“), zuvor ein Einschub im Text, den Wandlungsworten nachgeordnet wurden und als Einleitung einer Akklamation der Gläubigen gestaltet sind. Die Gemeinde antwortet mit einer Akklamation („Ruf“), für die das Missale Romanum 2002 mehrere Varianten vorsieht, z. B.:
„Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“
Die Erneuerung wurde unter anderem damit begründet, dass viele Texte, besonders Doppelungen, aus der Messe entfernt, neue Texte formuliert, altkirchliche, vortridentinische Texte wieder aufgenommen und bestehende Texte revidiert worden seien. Die Neuausgabe des Missale Romanum erschien 1970. Die Reform der Messe wurde mit der Erlaubnis zweier weiterer, neuer Hochgebete – „Versöhnung“, für besondere Anlässe – 1975 abgeschlossen und unmittelbar darauf weltweit durchgesetzt und akzeptiert. Nur wenige sogar der konservativen Kleriker und Laien widersetzten sich den liturgischen Neuerungen, das aber vehement. Aufgrund dieses Widerstandes erfolgte die Umsetzung des erneuerten Messbuches mit größter päpstlicher Autorität, um eine liturgisch inszenierte Kirchenspaltung zu vermeiden. In das Missale Romanum aus dem Jahr 2000, publiziert 2002, wurden die zwei Hochgebete zum Thema „Versöhnung“ von 1975, drei Hochgebete für Messen mit Kindern und vier Varianten für Hochgebete bei Messen in besonderen Anliegen (revidierte, früher sogenannte „Schweizer Hochgebete“) integriert.
Das Consilium, das von 1964 bis 1969 die Liturgiereform betreute, arbeitete Kriterien heraus, durch welche Merkmale sich die römische Tradition von den Liturgien der Ostkirchen und anderen westlicher Traditionen (ambrosianischer, gallikanischer, mozarabischer Ritus) unterscheidet.
Insbesondere die neu zu schaffenden Hochgebete sollten nach dem Wunsch des Papstes dem „römischen Genius“ entsprechen. Der typisch römische Charakter wird insbesondere durch die einmalige konsekratorische Epiklese (Herabrufung des Heiligen Geistes) unmittelbar vor dem Einsetzungsbericht (Wandlungsworte) gewahrt. Die Verlegung der Interzessionen (Bitten) in den zweiten Teil der neuen Hochgebete hat diesen eine klarere Linie und Durchsichtigkeit gegeben, also den spiegelbildlichen Aufbau des traditionellen Canon Missae (Römischer Messkanon = Hochgebet I) nicht nachgeahmt.
Das Zweite Hochgebet greift Grundgedanken des Hochgebets auf, das in der Tradition des Hippolyt von Rom (3. Jahrhundert) steht. Es ist kurzgefasst und wurde auch wegen seiner klaren „römischen“ Begrifflichkeit und Kürze im Klerus schnell akzeptiert. Das Vierte Hochgebet steht zwar in ostkirchlicher Tradition, wahrt aber die typisch römische Knappheit des liturgischen Stils. Das Dritte Hochgebet bringt die Grundgedanken der Römischen Messe insofern neu zum Ausdruck, als es den Opfercharakter der Messe gemäß der Ekklesiologie des 2. Vatikanums deutlich betont.
Alle drei neuen Hochgebete bringen Gehalte des Römischen Ritus zum Ausdruck, die im Canon Missae (Hochgebet I: „Römischer Messkanon“) weniger stark ausgedrückt werden. Sie bringen somit die gesamte Tradition der Kirche vor 1570 deutlicher zum Ausdruck, als es das tridentinische Missale Pius V. getan hatte. Joseph Ratzinger meinte: „Der völlige Uniformismus seiner Anwendung im Katholizismus war ein Phänomen allenfalls der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts“, nämlich seit Inkrafttreten des Kirchenrechts von 1917.[1]
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