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In Seite Atlantischer Sklavenhandel:

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Vor dem Zweiten Weltkrieg nahmen britische Gelehrte an, die Aufhebung der Sklaverei sei eine der drei oder vier Tugenden in der Geschichte der Völker.

1944 behauptete der westindische Historiker Eric Williams, das Ende des Sklavenhandels rühre allein aus ökonomischen Entwicklungen und keineswegs aus moralischen Erwägungen. Williams behauptete, westindischen Kolonien hätten sich Anfang des 19. Jahrhunderts im Niedergang befunden und ihren politischen und ökonomischen Wert für Großbritannien verloren. Dieser Niedergang habe sich als ökonomisch lästig erwiesen und die Briten zum Akzeptieren seiner Beseitigung bewogen.

Hauptproblem dieses Arguments scheint, dass die Wirtschaft vor dem Verbot des Sklavenhandels im Jahr 1807 blühte und der Niedergang erst danach begann. Der Niedergang in Westindien war demnach ein Ergebnis der Unterdrückung des Sklavenhandels und nicht seine Ursache. Die fallenden Preise für durch Sklaven produzierte Waren wie Zucker und Kaffee können leicht diskontiert werden, während man beweisen kann, dass der Preisniedergang zu erhöhter Nachfrage führte und profitabel für die Importeure, wirklich die Gesamtmenge erhöhte. Die Profite aus den Sklavenhandel blieben bei rund zehn Prozent der Investition und belegen keinerlei Niedergang. Die Bodenpreise in Westindien – eine wichtige Hilfsgröße für die Analyse der Wirtschaft der Region – verringerten sich erst, nachdem der Sklavenhandel eingestellt worden war. Die Zuckerkolonien befanden sich nicht im Niedergang, sondern 1807 an der Spitze ihres ökonomischen Einflusses.

Eine dritte Generation von Gelehrten wie Herbert Drescher (1910–2002) und Vera Anstey (1889–1976) haben die meisten ökonomischen und politischen Argumente von Williams bestätigt, aber mit den moralischen Erwägungen kombiniert, die das Ende des Sklavenhandels nach sich zogen. Die Strömungen, die die größte Rolle spielten, um Westminster von der Ächtung des Sklavenhandels zu überzeugen, waren religiöser Natur. Das Aufkommen evangelikaler protestantischer Gruppen verbunden mit den Quäkern bewirkte, dass die Sklaverei als humanitäre Schande erachtet wurde. Diese Menschen waren eine Minderheit, aber sie waren leidenschaftlich mit vielen einzelnen Personen engagiert. Diese Gruppen hatten eine starke parlamentarische Präsenz und kontrollierten 35–40 Sitze mit ihrem Einfluss; dieser zahlenmäßige Einfluss wurde durch die damalige Regierungskrise verstärkt. Bekannt als „die Heiligen“, galt diese Gruppe unter Leitung von William Wilberforce als wichtigste Partei im Kampf gegen die Sklaverei. Diese Parlamentarier sahen ihr Engagement häufig als persönliche Schlacht gegen die Sklaverei in einem göttlich angeordneten Kreuzzug an.

Die erste Petition gegen den Sklavenhandel und die Sklaverei in Nordamerika stammt aus dem Jahr 1688 und wurde von den deutschen Auswanderern aus Germantown (Pennsylvania), Franz Daniel Pastorius, Abraham Isacks op den Graeff, Herman Isacks op den Graeff und Gerrit Henderich verfasst.

Auch in Frankreich bedurfte es des Einsatzes engagierter Einzelpersonen, damit es 1848 zur endgültigen Abschaffung der Sklaverei kam. Überragende Bedeutung kommt dabei dem Elsässer Victor Schœlcher (1804–1893) zu, der auf Guadeloupe und Martinique le libérateur, der Befreier, genannt wird; er war der „wirkungsvollste, einzige absolute und einzige konsequente Abolitionist“.[2] Schœlcher überbrachte 1848 das Dekret zur Abschaffung der Sklaverei aus Paris, kam aber in Guadeloupe erst an, nachdem sich die Sklaven am Tag zuvor selbst befreit hatten.[3] Auch auf Martinique hatte es zuvor Sklavenaufstände gegeben, insbesondere den vom 22. Mai 1848, bei dem Sklaven die damalige Hauptstadt Saint-Pierre besetzten und nach verlustreichen Kämpfen am 23. Mai 1848 den Gouverneur zur sofortigen Abschaffung der Sklaverei zwangen.[4]